29.07.2011

Nicht »Land in Sicht«, aber Wasser: In fünf Metern Tiefe wurden die Mitglieder des Bürgerprojekts Gleiberg im Schacht fündig.

Bürgerprojekt Gleiberg will Ziehbrunnen wieder herstellen

Wettenberg (m). Er ist ein Stück vergessene Geschichte - der ehemalige Brunnen in den »Borngärten« am Gleiberger Nordhang. Bis 1887 fungierte er als Ziehbrunnen, weiß Erich Leib zu berichten. Jetzt soll er wieder instand gesetzt werden.

Irgendwann wurde er dem Verfall preis gegeben, diente keinem Zweck mehr. In Verlängerung der Gasse »Unter der Burg«, wo man die unbebaute Gleiberger Ortslage am Nordhang erreicht, gibt es ein von alten Bruchsteinmauern eingefasstes, gemeindeeigenes Grundstück, dessen Mittelpunkt dieser alter Brunnen bildet.

Hier wird seit Wochen viel Schweiß vergossen. Das Bürgerprojekt Gleiberg, jüngster Vereinsspross im Dörfchen unter der altehrwürdigen Burg, hat sich zum Ziel gesetzt, dass sich Bewohner und Gäste in Gleiberg wohlfühlen sollen.

Außerdem will man Traditionen bewahren, sie in die Zukunft tragen und initiativ werden, um zur Gemeinschaftspflege einen Beitrag zu leisten. Und mit diesen Vorsätzen macht man einmal mehr ernst.

Werner Hofmann, Erich Leib, der die Geschichten kennt, die sich wie Efeu an der alten Bruchsteinmauer um den Brunnen ranken, Torsten Pausch, Wolfgang Jahn, Walter Kraft, Helmut Gresko, Jan Schepers und Jürgen Denhard lüften den Mantel der Geschichte um den Ziehbrunnen, den der Volksmund übrigens als »Rechten Brunnen« bezeichnet.

Steinring fast vollständig zusammengesetzt

Eine Stahlplatte sicherte seit Jahren den Brunnenschacht, der verfüllt war mit Steinen, Schutt und Unrat. Aber die Brunnenbauer vom Bürgerprojekt Gleiberg scheuen sich nicht vor Arbeit, sind handwerklich begabt und erfinderisch. Mittels eines selbst konstruierten Dreibocks holte man mehrere Tonnen des Verfüllmaterials aus dem Schacht.

Darunter befanden sich zum Bedauern der Beteiligten nur noch Fragmente der ehemaligen Einfassung des Brunnens. Aber auch vor dieser Aufgabe kapitulierte man nicht. Puzzlearbeit war angesagt, und wie Archäologen professionell ans Rekonstruieren von Fundstücken gehen, so ging man auch hier vor und konnte so den Steinring wieder (fast) vollständig zusammensetzen. Parallel zu all diesen Arbeiten ist das Bürgerprojekt auch dabei, die Grundstückseinfassung wieder neu aufzubauen. Der Efeu hat über die Jahre beim Zerstören der Bruchsteinmauer ganze Arbeit geleistet. Des weiteren hat die bienenfleißige Schar jede Menge Gestrüpp entfernt, außerdem nicht standortgerechte Gehölze.

Zwischenzeitlich konnten sich die Brunnenbaumeister bis auf fünf Meter Tiefe in den Schacht vorarbeiten und stießen dabei auf Wasser. Da galt es nicht lange zu überlegen. Passenderweise wurde auf diesen Moment angestoßen (aber nicht mit Wasser). Wohl gemerkt: Alle bisherigen Leistungen stemmten alleine die Vereinsmitglieder. Doch ohne finanzielle Mittel ist so ein Projekt nicht zu realisieren. Während der Brunnen sein Wasser freigibt, versiegen langsam die finanziellen Reserven. Die Volksbank Mittelhessen, die schon das erste große Projekt, die Wiederherstellung des alten Burgpfades mitfinanzierte hatte, fördert auch das neue Projekt mit einer namhaften Spende.

Kreativität und Einfallsreichtum gefragt

Dennoch reicht es nicht, um die finanziellen Lücken zu schließen. Hier sind wieder Ideen gefragt, Kreativität und Einfallsreichtum. So kam der Entschluss von Jürgen Denhard (Schriftführer des Vereins), sein Panoramabild vom Gleiberger Land, mit Gleiberg, Vetzberg und Dünsberg, zu versteigern und zwar beim traditionellen Brunnenfest des Bürgerprojektes Gleiberg, am 10. September, zwischen 17 und 18 Uhr, am alten Schulbrunnen in der Gleiberger Torstraße. Das Foto hat Jürgen Denhard selber geschossen und auf wetterfeste, hochwertige PVC-Folie abbilden lassen (die GAZ berichtete). Seit Wochen hängt es in der Nähe des Nordtores, in seiner ganzen Pracht und Größe von 300 mal 50 Zentimetern am Zaun des Anwesens des Hobbyfotografen und hat bis dahin schon viele Menschen erfreut und für bewundernde Aufmerksamkeit gesorgt. Der Versteigerungserlös soll dem neuen Brunnen dienen.

Gießener Allgemeine, 29.07.2011